Vom Finanzexperten zum Krimiautor
Johann Schuck – Leidenschaft für Krimis

Johann Schuck, Jahrgang 1961, in Oberbayern geboren und aufgewachsen, hat viele Jahre in München und Nürnberg verbracht. Seit seiner Jugend ist er ein Fan von Kriminalromanen. Jetzt ist er pensioniert und hat die Zeit, ein neues Kapitel im Leben aufzuschlagen.
Seine Arbeit im Finanzbereich – zunächst bei einer Bank und später einem großen Industriekonzern – hat ihn über 45 Jahre hinweg in alle Welt geführt, so auch drei Jahre nach Südafrika. Viel gereist, die Mischung aus Erfahrungen, unterschiedlichen Kulturen und das große Interesse an allem Neuen, kombiniert mit viel Humor, schaffen die Grundlage für das Schreiben. Es gibt viel zu erzählen.
Fragen und Antworten.
F: Warum der Chiemgau als Mittelpunkt für deine Bücher?
A: Ich mag die Gegend, Landschaft, Berge und Seen, die Leute. Von dort kommt man auch überall schnell hin, wo es schön ist … Vor allem zu Orten des Geschehens meiner Bücher. Österreich und Italien sind nahe. Ab München geht es mit dem Flugzeug auch weiter weg. Mehr wird nicht verraten.
F: Wie sind die Figuren entstanden?
A: Eher ein Zufallsergebnis. Ich will einen Bogen spannen zwischen der älteren und jungen Generation. Da gibt es mehr Gemeinsamkeiten als man denkt. Ähnlichkeiten zu meinem privaten Umfeld sind nicht zu leugnen. So meine Liebe zu Krimis von früh auf.
F: Regionalkrimis sind eine wachsende Nische im Büchermarkt. Was zeichnet deine Charaktere aus?
A: Authentizität, konkrete Situationen, die es in ihrem Lebensumfeld zu bewältigen gibt. Natürlich muss ein wenig an der Dramaturgie geschraubt werden. Ich will es aber mit den lokalen Elementen nicht übertreiben.
F: Welche Zielgruppe hast du im Auge?
A: Alle Altersgruppen. Ich vermute jedoch, dass ich ab 30+ mehr Leser finden werde. Lass‘ mich überraschen. Mein erstes Buch ist eine Mischung aus Krimi, Komödie, verbunden mit aktuellem Zeitgeschehen und Ratgeberelementen.
F: Was wünscht du dir für deine Leser?
A: Sie sollen sich gut unterhalten fühlen. Für die zehn Stunden, die das Buch braucht, etwas Abstand von dieser Welt gewinnen können. Wenn man auch noch die eine oder andere praktische Erfahrung mitnehmen kann, dann umso besser. Im ersten Buch begeben sich Petunia und Alfons leichtfertig auf eine kriminelle Reise. Wenn es das Buch schafft, nur eine dieser Taten abzuwenden, ist viel gewonnen.
F: Wie ist der erste Band entstanden?
A: Das war eine wechselvolle Geschichte. Als Neuling in diesem Metier habe ich erstmal eine grobe Gliederung erstellt und dann drauf losgeschrieben. Zunächst war kein Todesfall eingebaut. Es scheint jedoch, dass es ohne sowas nicht geht … Mit dieser Ergänzung bin ich jetzt richtig glücklich. Parallel habe ich viel über die Buchbranche, das Verlagswesen und die Veröffentlichung von Büchern gelesen. Viele gute Manuskripte fallen durch, das schafft großen Frust bei den Autoren.
Die Recherche darf auch nicht fehlen. Ich bin an alle Orte des Geschehens gereist.
F: Was benutzt du fürs Schreiben?
A: Microsoft Word mit einem alten Windows-Notebook an einem großen Bildschirm. Diese Ausstattung steht noch von meiner beruflichen Tätigkeit im Wohnzimmer. Daneben liebe ich mein MacBook Air, arbeite an beiden nacheinander. Wenn ich mir den Text dort anschauen, sehe ich manches mit anderen Augen. Ein spezielles Schreibprogramm nutze ich nicht. Ich habe einiges angeschaut, jedoch erscheint mir das ein zu großer Einarbeitungsaufwand zu sein. Am Ende geht das zu Lasten der Kreativität. So zumindest mein Empfinden. Ich schaffe es, das Wesentliche im Kopf zu behalten. Mein Dokument mit dem Inhaltsverzeichnis, der Kapitelgliederung und mit der Zeitachse hilft mir beim Überblick.
In Word kann ich mit der Anlage von Kapiteln im Manuskript gut navigieren. Das Verschieben oder Einfügen von Abschnitten ist leider Handarbeit. Ist mir aber lieber als eine überdimensionierte Software.
Es hilft auch sehr, wenn man Anfang an, die richtige Formatierung für Dialoge, Anführungszeichen, etc. nimmt. Oder das zumindest nach dem Schreiben größerer Abschnitte bald nacharbeitet. Die Alt-Taste an der Tastatur mit dem Nummernblock ist oft im Einsatz.
F: Braucht man ein Lektorat?
A: Das ist sicher nützlich, dazu braucht es aber erstmal ein sehr solides Manuskript. Es muss auch finanziert werden. Einiges kann man selbst machen. Rechtschreibprüfung, Grammatik und das Löschen von unnötigen Füll- und Lieblingswörtern. Hierbei ist die Suchfunktion von Word nützlich. Eine klare Zeitachse hilft bei der Continuity. Ein paar Tage Pause, dann mit anderen Augen auf Ausdrucke draufschauen.
Testleser können helfen. Die müssen die Zeit mitbringen (schnell 10 Stunden opfern) und auch bereit sein, ehrliches Feedback geben.
F: Warum fängt man mit dem 65. Geburtstag mit dem Schreiben an?
A: Ich bin pensioniert, kann mir die Zeit flexibel einteilen. Und ich hatte schon immer eine lebhafte Fantasie.
F: Welche Tipps hast du fürs Schreiben?
A: So wie ich es in meiner beruflichen Tätigkeit immer gemacht habe. Natürlich waren es andere Themen und Texte. Ein überzeugender Plot steht am Anfang. Dazu eine solide Gliederung mit einer funktionierenden Zeitachse, sodass sich die Geschichte im Buch Kapitel für Kapitel plausibel entwickelt. Ich mag mehrere parallele Handlungsstränge, die miteinander verwoben sind. Am Ende wird vieles klar, aber Fragen bleiben. Das kann ein Startpunkt für ein Folgebuch sein.
Der Empfehlung, einen umfassenden Charakterbogen für die Protogonisten zu erstellen, bin ich nicht gefolgt. Das war mir zu mechanisch. Ebenso wenig den vielen Ratschläge, wie die Handlungen dramaturgisch aufgebaut werden müssen. Ich wollte lieber erstmal anfangen.
Zusammenfassend:
Fürs Buch sind Plot, Ort, passende Charaktere, deren Antrieb, Entwicklung, Wendungen, falsche Fährten, Spannung und die Auflösung entscheidend.
Für den Verkauf sind ein ansprechendes Cover, die Umschlagseite und der Buchsatz unverzichtbar. Sonst legt der Leser das Werk schon im Buchladen schnell wieder weg. Oder klickt im Internet weiter. Ohne Marketing läuft auch nichts. Da musste ich mich erstmal reinfinden.
Ob mir das gelungen ist, werde ich wissen, sobald das erste Buch auf dem Markt ist.
F: Ein Schlusswort?
A: Ich weiß nicht, wie diese Reise ausgehen wird. Ich bin grundsätzlich ein optimistischer Realist, habe enorm viel gelernt über diese Branche. Schaue mir heute bei einem Streifzug im Buchladen die Werke mit anderen Augen an. Und bin sehr beeindruckt, wieviel Zeit, Energie und Herzblut seitens der Autoren reingeflossen sind.
Ich würde mich sehr freuen, wenn sich junge Leute wieder viel mehr für Bücher begeistern könnten. Auf der Leipziger Buchmesse konnte ich das spüren.